Stille Nacht

„Stille Nacht“ ist eines der weltweit bekanntesten Weihnachtslieder, inzwischen liegt die Uraufführung über 200 Jahre zurück. Damals waren die Nächte vermutlich mit anderen Geräuschen gefüllt als heute. Vor allem die Winternächte waren sicherlich ruhiger. Winter ist, wenn nicht mal das Zirpen der Grillen die Ruhe unterbricht. Heutzutage ist das etwas anders, Autolärm wird es vermutlich nahezu überall geben, und wenn es auf dem Weg zur Aufführung von „Stille Nacht“ oder zurück ist. Aber was ist eigentlich diese „stille Nacht“? Sie gehört zu Weihnachten, zu Besinnlichkeit, zur Ruhe und zum Nachdenken. Warum wollen wir immer nur zu Weihnachten Ruhe und Besinnlichkeit? Ist das nicht übers Jahr verteilt viel sinnvoller? Besinnlichkeit und Gedenken darf doch gerne das ganze Jahr über sein, nicht nur an Heiligabend. Und da jeder Mensch auf eine eigene Weise gedenkt, ist es vielleicht einfach nur ein „lautes Gedenken“ wenn der Nachbar die Musik aufdreht um die Einsamkeit zu überbrücken, oder doch – leider – mit Hilfe von Alkohol und anderen Drogen versucht, in eine andere Realität zu flüchten. Soll man eingreifen? Einfach machen lassen? Eine Frage, die man nur selbst und für sich selbst beantworten kann, darauf gibt es keine allgemein gültige Antwort.

Versengold – Lautes Gedenken bei Youtube:
https://youtu.be/mritStqdwZw?si=X8FZqYoIzdaAWbnp

Orgelmusik – Stille Nacht bei Youtube:
https://youtu.be/LtTT4NS4bH0?si=0eyWwyD0r5o7ZjKu

Wenn jetzt jemand sagt, dass das Lied genau so zu Weihnachten gehört und damit basta – was war denn im Jahr vor dem Lied? Was im Jahr vor dem ersten Weihnachten? Weniger als nichts lässt sich nur mathematisch ausdrücken, also war da einfach „nichts“? Nein, es war „etwas“ da. Etwas Anderes war da. Und auch zu der Zeit gab es genug Menschen, die Neuerungen gegenüber nicht unbedingt aufgeschlossen waren. Welche Musik hätten Beethoven und Mozart gemacht, wenn sie damals schon unsere heutigen Möglichkeiten gehabt hätten? Ich weiß es nicht, aber sicherlich hätten sie alles genutzt was ihnen gefallen hätte. Sie haben damals alles ausgeschöpft, und sie würden es heute ebenso machen.
„Das haben wir schon immer so gemacht“, „das gab es noch nie“ und ähnliche Sätze kennt wir alle, sagen wir vielleicht sogar selbst (zu) oft. Und auch in Situationen, in denen diese beiden Sätze sachlich richtig sind, warum sollte uns das davon abhalten, mal etwas Neues auszuprobieren? Würden wir immer nur machen was gestern auch schon war, gäbe es uns nicht. Irgendwann war jemand der oder die Erste. Immer. Und dann haben es andere nachgemacht. Was also hält uns davon ab, etwas Neues zu wagen? Vielleicht die Angst vor dem Unbekannten. Aber am Ende kommt für uns alle das große Unbekannte. Wenn der letzte Vorhang fällt, dann wird das große Unbekannte, das, was alle Menschen gleich macht, für uns Realität. Wird zum Schritt ins Ungewisse. Das ist das Einzige, auf das wir uns vorbereiten können und doch kaum jemand macht. Was dann kommt, darüber gibt es verschiedene Meinungen, und alle wissen „ICH HABE RECHT“. Was wohl eher schwierig ist.
Ziemlich sicher bin ich mir allerdings bei einem Punkt: Es gibt ein Leben vor dem Tod. Das sollten wir genießen und auch genießen lassen. Mit auch mal lauter Musik und Lachen, mit Gedenken und Geschenken. Und ruhig das ganze Jahr über immer mal wieder Besinnlichkeit einlegen, einen Gang zurückschalten, innehalten, an Wunder glauben. Und das Leben genießen, nicht irgendwelche kleinlichen Streitereien.

Angelo Kelly & Familie – Auld Lang Syne bei Youtube:
https://youtu.be/M6iLP3Rru_Q?si=MCSab2YGyzklpWzM

Also, Instrumente raus und los! Oder einfach nur so spontan a cappella*) singen.


*)A cappella bedeutet, dass Musik nur mit der Stimme / den Stimmen ohne instrumentale Begleitung gesungen wird. Der Begriff entstammt dem Italienischen und heißt übersetzt „nach Art der Kapelle“ oder auch "im Kirchenstil", es kommt also schon aus dem Bereich, der mit Weihnachten zu tun hat. Im 19. Jahrhundert hat sich der Gebrauch gewandelt, seither ist es Musik, die ohne Instrumente auskommt.